Schlagwort-Archiv: Krise

Wo über Geld geredet wird, verstehen viele Bahnhof

Geld – und unser Sprechen und Denken darüber – wäre viel wichtiger als alle anderen Themen in den Medien. Selbst die Flüchtlingskrise ist letztlich ein Resultat unserer Sicht auf das Geld. Wenn wir Krisen überwinden wollen, sollten wir uns als erstes mit Geld beschäftigen.

Der britische Romancier John Lanchester hat sich die Sprache des Geldes angeschaut – und ein phänomenales Buch darüber geschrieben.

Quelle: Wo über Geld geredet wird, verstehen viele Bahnhof

Gekaufte Zeit

Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus.

von Wolfgang Streeck

Gekaufte Zeit Die Krise hält uns in Atem und erzeugt zugleich ein diffuses Gefühl der Ratlosigkeit. Auf schier unüberschaubare Problemlagen folgen Maßnahmen, die wie Notoperationen am offenen Herzen der westlichen Welt wirken – durchgeführt ohne Kenntnis der Krankengeschichte. So ernst die Lage ist, so wenig scheinen wir zu verstehen, was genau vor sich geht. Und wie es dazu kommen konnte. Wolfgang Streeck legt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung die Wurzeln der gegenwärtigen Finanz-, Fiskal- und Wirtschaftskrise frei, indem er sie als Moment der langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt, die bereits in den 1970er Jahren begann. Im Anschluss an die Krisentheorien der damaligen Zeit analysiert er, wie sich die Spannung zwischen Demokratie und Kapitalismus über vier Jahrzehnte entfaltet hat und welche Konflikte daraus zwischen Staaten, Regierungen, Wählern und Kapitalinteressen resultierten. Schließlich beleuchtet er den Umbau des europäischen Staatensystems vom Steuer- über den Schulden- zum Konsolidierungsstaat und fragt nach den Aussichten für eine Wiederherstellung sozialer und wirtschaftlicher Stabilität. »Gekaufte Zeit« ist Aufklärung par excellence, denn es zeigt, dass der gegenwärtigen Situation etwas zugrunde liegt, das uns tief beunruhigen sollte: die Transformation des Verhältnisses von Demokratie und Kapitalismus.

ISBN-13: 978-3518585924  / 11. März 2013

Schulden

Die ersten 5000 Jahre

von David Graeber

SchuldenEin ebenso radikaler wie befreiender Blick auf die Wurzeln unserer Schuldenkrise

Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.Seit der Erfindung des Kredits vor 5000 Jahren treibt das Versprechen auf Rückzahlung Menschen in die Sklaverei. Die Geschichte der Menschheit erzählt David Graeber als eine Geschichte der Schulden: eines moralischen Prinzips, das nur die Macht der Herrschenden stützt. Damit durchbricht er die Logik des Kapitalismus und befreit unser Denken vom Primat der Ökonomie.

Ein radikales Buch im doppelten Wortsinn, denn Graeber packt das Problem der Schulden an der Wurzel, indem er bis zu ihren Anfängen in der Geschichte zurückgeht. Das führt ihn mitten hinein in die Krisenherde unserer Zeit: Von der Antike bis in die Gegenwart sind revolutionäre Bewegungen immer in Schuldenkrisen entstanden.

Graeber sprengt die moralischen Fesseln, die uns auf das Prinzip der Schulden verpflichten. Denn diese Moral ist eine Waffe in der Hand der Mächtigen. Die weltweite Schuldenwirtschaft ist eine Bankrotterklärung der Ökonomie. Der Autor enttarnt Geld- und Kredittheorien als Mythen, die die Ökonomisierung aller sozialen Beziehungen vorantreiben.

Im Kern ist dieses Buch ein hohes Lied auf die Freiheit: Das sumerische Wort “amargi”, das Synonym für Schuldenfreiheit, ist Graeber zufolge das erste Wort für Freiheit in menschlicher Sprache überhaupt.

David Graeber ist einer der Begründer der Occupy-Bewegung.

ISBN-13: 978-3608947670 / 14. Mai 2012

Ökosozial oder katastrophal

Die Politik hat die Wahl

von Walter Meier-Solfrian

oekosozial Selten wird ein scheinbar so komplexer Sachverhalt wie die Wirtschaftswissenschaften mit wenigen Worten auch dem Laien verständlich gemacht. Jedenfalls die Fakten, auf die es wirklich ankommt.

Einleitend wird auf einige Grundbegriffe der Ökonomie eingegangen. Was ist zum Beispiel das Bruttoinlandprodukt BIP und was es aussagt, bzw. dass es eben über unser Wohlbefinden sehr wenig aussagt, obwohl es von der Politik noch immer als eine wichtige Messgrösse hergenommen wird.

Ein längerer Teil ist der Geschichte der Wirtschaft und der Ideen ihrer Theoretiker gewidmet. Von Aristoteles über die chinesische Erfindung der Banknoten, Karl Mark bis Joseph Stiglitz.

Es folgen einige Kapitel über Wirtschaftsethik. Heute ist die gängige Praxis, die Gesetze einzuhalten. Man verhält sich also legal; aber nicht unbedingt legitim. Eine echte Ethik füllt eben auch die Gesetzeslücken aus. Unser Handeln muss an der Legitimität und nicht an der Legalität gemessen werden. Der Autor führt auch einige konkrete Beispiele an: Wenn ein Unternehmen wie Nokia sich vom deutschen Steuerzahler mit 88 Mio. Euro fördern lässt, dann aber nach 20 Jahren höchst profitablem Geschäft trotzdem alle 3100 Arbeiter auf die Strasse stellt, nur um in Rumänien wenige Prozent günstiger zu produzieren (und wie man kürzlich lesen konnte, auch dort wieder schliesst, um nach China zu ziehen), alles nur, um den guten Gewinn noch weiter zu maximieren, dann ist das zwar alles legal, aber ganz sicher nicht legitim oder ethisch vertretbar, leider aber gang und gäbe.

Dazwischen und vor allem gegen den Schluss des Buches erfolgen viele Hinweise, was heute schief läuft und warum und wie man das ändern könnte. Beispiel: Da das heutige Geldsystem ausschliesslich auf Schulden beruht (kein Geld ohne Schulden und umgekehrt), muss sich insbesondere der Staat verschulden. Das sogenannten Vollgeld würde es dem Staat ermöglichen, Geld in Umlauf zu bringen, ohne das gleichzeitig Schulden entstehen. Im Übrigen könnte die Nationalbank die gesamte Geldmenge wieder steuern, was heute wegen dem vielen Kreditgeld kaum mehr möglich ist.
Heute besteht die paradoxe Situation, dass der Staat Banken retten muss, indem er Schulden macht. Die Banken wiederum geben dem Staat dann das Geld, um die Banken zu retten. Selbstverständlich muss der Staat dafür den Banken dann auch noch einen Zins bezahlen. Mit dem Vollgeld könnte man diesen grotesken Fall vermeiden.

Wenn Sie als Laie etwas mehr über die Hintergründe der heutigen Wirtschaftskrise erfahren und verstehen möchten, kann ich Ihnen dieses Buch wärmstens empfehlen. Aber auch dem Fachmann eröffnet es ungewohnte Blinkwinkel und gibt ausserdem eine gute Übersicht der Fakten, um die es wirklich geht.

ISBN-13: 978-3879984572  / 1. Auflage / 7. Feb. 2011