Illusion der Objektivität

Bilder aus Fragmenten

Wir Menschen sind sehr gut darin, uns aus wenigen Anhaltspunkten ein vollständiges Bild oder Szene zu entwickeln. Dieses Bild ist aber nur in unserem Kopf vollständig und weicht von der Realität daher meist mehr oder weniger stark ab.

Sehe Sie eine junge oder eine alte Frau?

Unsere Entscheidungen basieren aber auf dem Bild, auf diesem unvollständigen Bild, dass wir uns von der Welt machen.

In den meisten Situationen hat dies für uns grosse Vorteile: Wir kommen schneller zu Entscheidungen, die Lebenswichtig sein können. So müssen wir beim Autofahren nicht alle Wenn und Abers zuerst abklären, bevor wir auf die Bremse treten oder einem Hindernis ausweichen.

Die Macht der Ideen

Gerade, wenn wir etwas Neues unternehmen wollen, können Visionäre (Steve Jobs, Elon Musk, usw.) in uns ein Bild erzeugen, dass auf sehr wenigen Erfahrungen und Tatsachen beruht. Wenn wir uns davon anstecken lassen, können grosse Ziele wahr werden, die zuerst nur als Ideen in einzelnen Köpfen gereift sind.

Dieser Ergänzungseffekt unseres Gehirns bezieht sich nicht nur auf konkrete Bilder, sondern auch auf unser Vorstellungskraft in allen Lebenssituationen. Nur so lässt sich erklären, dass beim Lesen eines Romans vor dem inneren Auge regelrecht ein Film abläuft. So konstruieren wir uns auch ein Bild der Welt, mit den wenigen Angaben und Fragmenten, die wir aus Erziehung, Schule, Medien und Diskussionen mit anderen Menschen gesammelt und kombiniert haben.

Ohne diese Fähigkeit würden wir verrückt werden, weil es viel schwieriger und energieraubender ist, nur in Fragmenten statt vollständigen Bildern und Geschichten zu denken und Orientierung zu finden.

Macht durch manipulierte Bilder

Genau diese Eigenschaft macht uns aber auch anfällig auf eigene Fehler und Manipulation von aussen.

Wir haben festgestellt, dass wir uns die Welt aus wenig Fragmenten zusammen zimmern. Wenn nun jemand diese Fragmente neu sortiert, bewertet, weitere dazu fügt (Werbung), die vielleicht sogar falsch sind (Fake), verändern wir die Schlussfolgerungen, mit der Illusion, dass wir objektiv zu diesem neuen Schluss gekommen sind.

Wie sind oft nicht in der Lage oder einfach zu bequem, um alle Fragmente erst zu prüfen, bevor wir sie für unser Bild berücksichtigen.

Dogmen, Mantras und Mythen

Gelingt es nun, führenden Persönlichkeiten oder Institutionen bestimmte Weltbilder in der Gesellschaft zu verankern, glauben wir mit der Zeit so fest daran, dass wie diese freiwillig wie Mantras wiederholen, sogar bis sie manchmal zum Dogma werden und wie eine unumstößliche Tatsache behandelt werden.

Solche Mythen sind:

  • Wir brauchen Wirtschaftswachstum
  • Arbeitsplätze ist das wichtigste Ziel für Politiker
  • Kapitalismus ist die einig funktionierende Wirtschaftsform