Der Autor des verlinkten Artikels meint:
Unser Wirtschaftssystem floriert auf der Basis des Ruins. Die aufgeschobene Insolvenz ist seine Geschäftsgrundlage. Schulden werden nicht mehr getilgt, sondern mit neuen Schulden ins Unendliche verlängert.
Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man im klassischen BWL-Denken die Lage analysiert.
Wenn man jedoch den Wirtschaftskreislauf vom Warenfluss und den Investitionen her betrachtet, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Wenn wir Wohlstand mal auf Warenfluss und funktionierende Infrastruktur vereinfacht denken, so kann es doch im ersten Moment egal sein, was mit dem Geldfluss passiert, solange die Waren “fließen”. Offenkundig ist es auch wichtiger, dass die Infrastruktur funktioniert, z.B. Strassen, als wie viel Schulden der Staat gerade hat. Ohne funktionierende Strassen wird er die Schulden sowieso nicht mehr los.
Fazit: Die Wirtschaft von der Seite des Warenflusses, Dienstleistungen und Infrastruktur her bewerten und nicht von der Seite des Geldes und den Schulden. Bestimmt kommt man dann auch zu anderen Schlüssen, wie mit Geld, Vermögen und Steuern anders umgegangen werden muss.
Quelle: Der kontrollierte Bankrott
Die Krise hält uns in Atem und erzeugt zugleich ein diffuses Gefühl der Ratlosigkeit. Auf schier unüberschaubare Problemlagen folgen Maßnahmen, die wie Notoperationen am offenen Herzen der westlichen Welt wirken – durchgeführt ohne Kenntnis der Krankengeschichte. So ernst die Lage ist, so wenig scheinen wir zu verstehen, was genau vor sich geht. Und wie es dazu kommen konnte. Wolfgang Streeck legt in seiner Frankfurter Adorno-Vorlesung die Wurzeln der gegenwärtigen Finanz-, Fiskal- und Wirtschaftskrise frei, indem er sie als Moment der langen neoliberalen Transformation des Nachkriegskapitalismus beschreibt, die bereits in den 1970er Jahren begann. Im Anschluss an die Krisentheorien der damaligen Zeit analysiert er, wie sich die Spannung zwischen Demokratie und Kapitalismus über vier Jahrzehnte entfaltet hat und welche Konflikte daraus zwischen Staaten, Regierungen, Wählern und Kapitalinteressen resultierten. Schließlich beleuchtet er den Umbau des europäischen Staatensystems vom Steuer- über den Schulden- zum Konsolidierungsstaat und fragt nach den Aussichten für eine Wiederherstellung sozialer und wirtschaftlicher Stabilität. »Gekaufte Zeit« ist Aufklärung par excellence, denn es zeigt, dass der gegenwärtigen Situation etwas zugrunde liegt, das uns tief beunruhigen sollte: die Transformation des Verhältnisses von Demokratie und Kapitalismus.