Bullshit-Shopping

Blinde Konsumverklärung lässt sich heilen

Überlegungen von Philip Kovce

Vorweihnachtszeit ist Geschenke-Shoppingzeit. Auch die Pandemie scheint nur wenige davon abzuhalten. Geldausgeben wird dabei als Tugend missverstanden. Der Ökonom und Philosoph Philip Kovce wünscht sich ein Ende dieser Konsumreligion.

Bullshit-Jobs und Bullshit-Shopping sind keine getrennten Phänomene. Im Gegenteil: Sie bilden einen Teufelskreis, der schleunigst zu durchbrechen ist. Es ist höchste Zeit, die Bullshit-Pandemie einzudämmen. Es ist Zeit für ein Anti-Bullshit-Grundeinkommen.

Quelle: deutschlandfunkkultur.de / Bullshit-Shopping – Blinde Konsumverklärung lässt sich heilen

Kostenoptimierung zwecks Verschwendung?

Warum müssen PV-Anlagen rentieren, Autos jedoch nicht?

Bildquelle: IBC SOLAR Carports

In den Nullerjahren war ich mal zu einem Businesslunch in kleinem Kreise eingeladen. Die meisten Herren, Damen waren keine anwesend, waren um Grössenordnungen reicher als ich. Irgendwann kamen wir auf Solarenergie zu sprechen. Einige meinten, das würde leider nicht rentieren. Ich schaute kurz in die Runde und meinte, als ich vorher über den Parkplatz gelaufen sei, hätte ich auch nicht den Eindruck gehabt, dass sich diese Fahrzeuge rentieren würde. Eigentlich ginge es doch nur darum, von A nach B zu kommen und da täte es doch auch ein 2CV. Die darauf folgenden Lacher zeigten, dass sich die Besitzer der luxuriösen Limousinen ertappt fühlten.

Die meisten Leute machen sich über die Wirtschaftlichkeit ihres Autos kaum Gedanken. Wenn das Auto über 90% der Zeit auf einem Parkplatz steht, sagt niemand “wir haben Benutzungspotential verschwendet”.
Warum argumentiert man bei Energieanlagen in dieser Beziehung auf den Euro genau? Da heisst es, man hätte Solar- und Windstrom vernichten müssen (in Wirklichkeit hat man bestenfalls nicht geerntet, was man hätte ernten können). Und noch immer werden PV-Anlagen aus diesen Überlegungen nur auf einem Drittel des Daches gebaut, “weil es sonst nicht rentiert”.
Bisher waren Solarzellen derart teuer, dass diese Überlegungen durchaus berechtigt waren. Heute sind wir jedoch in einem Kostenbereich angekommen, wo eine deutliche Überdimensionierung, welche die Winterabdeckung priorisiert statt der Kostenoptimierung, die Norm werden sollte.

Damit würde sich das Speicherproblem zu einem grossen Teil auf Kurzzeitspeicher reduzieren. Eine etwa dreifach dimensionierte Anlage würde auch im Januar genug Energie für Heizung und Elektroautos erzeugen. Übrigens beides Verbraucher, die nicht zu einer bestimmten Zeit laufen bzw. geladen werden müssen, sondern vorwiegend dann, wenn PV-Strom zu Verfügung steht (angebotsgesteuert). Den Rest übernehmen die Kurzzeitspeicher, Batterien im Tagesbereich, Stauseen im Wochenbereich. Im Übrigen würde es nicht viel kosten, würde man im Sommer die Rückspeiseleistung bei solchen Anlagen deckeln (auf eine bestimmte Leistung begrenzen, die unterhalb der möglichen Spitzenleistung zur Mittagszeit ist, um Überschüsse im Netz zu vermeiden). Schliesslich gibt es auch im Sommer viele trübe Tage, wo sich die Überdimensionierung in einem höheren Autonomiegrad auszahlt.

Reale tägliche Angebotsschwankungen erneuerbarer Energien. Die rote Linie symbolisiert den Verbrauch. In der Realität schwankt dieser auch und kann in gewissen Grenzen sogar dem Angebot nachgeregelt werden (Angebotssteuerung). Im dargestellten Fall wird nur selten genügend erneuerbare Energie erzeugt, nur an windigen Tagen mit gleichzeitig genug Sonne.
Die gleichen Daten, wenn das doppelte an EE installiert wäre; täglich reichen die EE den Stromkonsum für ein paar Stunden zu decken. Die Lücken sind kleiner und die Überschüsse (oberhalb der roten Linie) reichen, um via Kurzzeitspeicher die Lücken (weisse Flächen unterhalb der roten Line) zu füllen.

Wie dieser Sachverhalt interpretiert und umgesetzt wird, hat einen grossen Einfluss darauf, in welchem Umfang und bei welchen Anwendungen P2X (Power-to-X) als Saisonspeicher notwendig wird. Vielleicht entscheidet sich das auch wirtschaftlich, denn es dürfte billiger sein, für den Hauptanteil der Angebotslücken die PV- und Wind-Anlagen zu überdimensionieren und nur für den letzten Rest sowie für schwierige Themen (zum Beispiel Treibstoff für Flugzeuge) P2X einzusetzen. Eine deutlich höhere Einspeisevergütung in den vier dunkelsten Wintermonaten könnte hier die richtigen Signale setzen.

Vielleicht habe ich auch etwas übersehen: Konsum ist ja gleichzusetzen mit der Vernichtung von materiellen Werten. Konsum scheint uns Befriedigung zu verschaffen. Daher sind die Kosten sekundär, jedenfalls solange wir es uns leisten können. Die überteuerten Autos auf dem eingangs erwähnten Parkplatz gehören zu diesem Konsum. Das wird daran liegen, weil Konsum auch immaterielle Werte schafft: Prestige, Genuss, Freude, Gesundheit oder einfach: Wohlstand.
Die Produktion, also das Schaffen von Werten, soll hingegen so günstig wie möglich sein. PV-Anlagen gehören in diese Kategorie. Und so wird jeder Euro zweimal umgedreht.
Ein positives Konsumerlebnis kann auch sein, mit selbst erzeugtem Strom das Haus zu heizen, das Duschwasser zu erwärmen und das Elektroauto zu laden. Dann darf eine PV-Anlage vielleicht doch ein bisschen mehr kosten!

Eine deutliche Überdimensionierung von entsprechenden Anlagen ist sowieso notwendig, wenn wir aus Überschüssen den viel propagierten erneuerbaren Wasserstoff erzeugen wollen. Solange nämlich noch Kohle- und Atomkraft im europäischen Stromnetz hängen, sind wir noch sehr weit vom grünen Wasserstoff entfernt und er bleibt eine teure Illusion.

 

 

 

Lockdown – aber fair!

Die Grundversorgung ist auch in Krisenzeiten sichergestellt, doch unser System verteilt es nicht an alle.

Die Kartoffeln haben gerade einen Wachstumseinbruch, da die Börse …
Ja, das ist natürlich Blödsinn. Die Kartoffeln interessieren sich nicht für die Börse und wachsen einfach weiter. Schon eher interessieren sie sich für das Wetter, längerfristig auch für das Klima.
So ist das auch für viele weitere Prozesse, die der täglichen Grundversorgung dienen. Auch Wohnräume, in denen wir leben, verschwinden nicht, genau so wenig wie unsere Kleider im Schrank.
Es ist also genug für alle da!
Aber warum haben wir dann trotzdem solchen Respekt vor Krisen und Börseneinbrüchen?

Ein Grund liegt darin, dass wir die erzeugten Güter über das Erwerbseinkommen verteilen. Diese Methode ist aber in Zeiten von Maschinen und Robotern nicht mehr zeitgemäss, wie wir in diesem Artikel darlegen.

Die Auswirkungen des Lockdown treffen Bevölkerung und Wirtschaft sehr unterschiedlich und damit sind die Lockdown-Massnahmen eigentlich sehr unfair. Durch die enge Verknüpfung langer und komplexer Lieferketten sind die Auswirkungen auch schwer überschaubar. Jede Kompensationsmassnahme, die sich möglichst exakt auf die Betroffenen berufen will, ist damit von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Faire Lösung

Es geht darum, das “genug für alle” möglichst effizient, effektiv, bezahlbar und vor allem schnell allen zugänglich zu machen, auch wenn man in einer Lockdown-Branche (Tourismus, Sport, Events, …) arbeitet, Künstler oder Freischaffender ist oder aus anderen Gründen vielleicht keinen mehr Job hat.

Folgendes Massnahmenpaket könnte diese Anforderungen erfüllen:

    1. Jeder Einwohner erhält während des Lockdown einen monatlichen Betrag ausbezahlt. Wichtig ist, dass es wirklich jeder bekommt, ob reich oder arm, ob mit oder ohne Job, ob angestellt oder selbständig. Der Betrag soll zum Leben reichen, würde aber auch Punkt 4. und 5. berücksichtigen und daher nicht sehr hoch ausfallen.
    2. Den Unternehmen wird erlaubt, die Löhne um den obigen Betrag zu reduzieren. Dies anstelle von Kurzarbeitsgeldern.
    3. Die Unternehmen müssen eine zusätzliche und einmalige Gewinnsteuer bezahlen. Dies deshalb, da einige Unternehmen von der Corona-Krise direkt oder durch die Massnahme in Punkt 2 profitieren. Damit beteiligen sich die starken Unternehmen an der Bewältigung der Krise analog ihrer Wirtschaftskraft. Ein Teil des Gewinns bleibt ihnen trotzdem.
    4. Abschöpfende Geschäfte sind auszusetzen. Dies sind insbesondere Mieten und Zinse, die um 2/3 reduziert werden sollten. Dies ist kein grosser Schaden für die betroffenen Institutionen, sondern lediglich ein Unterbruch bei der Amortisation der Investitionen und ein temporärer Verzicht auf Profite.
    5. Als Ergänzung zu Punkt 1 übernimmt der Staat einmalig einige Abgaben, die für alle Bewohner bzw. Haushalte gleich hoch sind. In der Schweiz wären dies zum Beispiel die Autobahnvignette und die Rundfunkgebühren. Ausserdem könnte er jedem Bewohner ein Halbtaxabo schenken. Der notwendige Betrag wäre nicht sonderlich hoch, jedoch wäre dies ein wichtiges Zeichen der Solidarität und des Kümmerns.

Dieser Vorschlag ist bewusst etwas plakativ gehalten, damit die Übersicht gewahrt bleibt. Wie überall ist auch dieser Ansatz nicht bis in den letzten Sonderfall fair und auch Missbrauch ist nie ausgeschlossen. Wir sollten aber das Grosse und Ganze im Auge behalten und über ein paar Ausreisser grosszügig hinwegsehen. Lieber mal pragmatisch und schnell starten, was bei der Bevölkerung positiv ankommen dürfte, weil die Hilfe rasch und spürbar bei jedem persönlich ankommt.

Quellen und Hinweise:

 

 

Die organisierte Ineffizienz

    • Effizienz: die Dinge richtig tun
    • Effektivität: die richtigen Dinge tun.

Die Dinge effizient erledigen heisst noch lange nicht, dass automatisch die richtigen Dinge getan werden.

Die aktuelle Lehre behauptet, Kapitalismus sei die effizienteste Form zur Organisation der Wirtschaft und ihren Warenströme, denn wenn jedes Glied in der Kette auf seinen Vorteil bedacht sei, wäre automatisch auch das gesamte System optimiert. Das ist jedoch ein grosser Irrtum, wenn nicht sogar eine bewusste grobe Täuschung. Denn mit “effizient” wird hier “effektiv” suggeriert und nur “effizient” ist eben nicht ausreichend.

Gewiss hat ein Produzent, der als einziger ein Produkt auf dem Markt hat,  nicht lange die Macht mit seinem Monopol fast jeden beliebigen Preis dafür zu verlangen. Denn bald kommt ein anderer, der sagt sich, dass kann man auch mit weniger Gewinn herstellen. Wenn das nun aber zu viele denken, führt dies zu einer gnadenloser Konkurrenz. Jeder Produzent muss die Arbeitsplätze reduzieren und damit die verbleibenden Arbeiter stressen, er will die Umweltauflagen möglichst minimal erfüllen und wird seine Unterlieferanten unter Druck setzen. Schliesslich muss er eine Werbemaschinerie in Gang setzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Im Ergebnis hat der Konsument ein unübersichtliches Angebot von qualitativ mittelmässiger Ware, die er nur wegen den unlauteren Werbeversprechen überhaupt kauft und die ohnehin gedacht ist, nach kurzer Zeit weggeworfen zu werden.

So steht es zumindest im Lehrbuch. Doch selbst dies funktioniert nicht immer, denn manche Prozesse funktionieren nur dann richtig gut, wenn es einer alleine macht. Beispiele sind Google, Amazon, Facebook, usw. In solchen Fällen ist die globale Gesellschaft darauf angewiesen, dass diese Unternehmen sich gegenüber der Gesellschaft mehr oder weniger freiwillig fair verhalten.

Noch bedenklicher ist jedoch, dass sich durch das System der freien Marktwirtschaft Strukturen bilden, die starr und träge werden, obwohl sie als Ganzes höchst ineffektiv sind. Sie sind auch so gross, dass sie sich nicht nur selbst erhalten, sondern diese Selbsterhaltungsmacht auch in sich tragen (systemrelevant, too big to fail, sind die Schlagworte dazu).

Ein anschauliches Beispiel ist die fossile Energieindustrie. Wenn wir Erdöl aufwendig in der Tiefsee oder durch Fracking gewinnen, es in Raffinerien aufwendig aufarbeiten und um die halbe Welt schippern, nur um es dann höchst ineffizient in komplizierten Motoren zu verbrennen, gibt es unterwegs eine lange Kette von Profiteuren, die absolut kein Interesse daran haben, Mobilität viel einfacher zu betreiben, nämlich mit Energie vom eigenen Hausdach. Jeder Akteur will seine eigenen Prozess so effizient wie möglich gestalten, um den maximalen Profit aus seinem Teilprozess zu schöpfen. Niemand aber interessiert es, dass dieser ganze Prozess aus gesellschaftlicher Sicht jedoch völlig ineffektiv ist. Alternativen werden sogar gezielt mit allen Mitteln bekämpft.
Auch der Kohlearbeiter ist nur an seinem Job interessiert und will nichts davon wissen, dass Kohle die dreckigste und klimaschädlichste Art ist, um Strom zu erzeugen.

 

Effiziente Einzelteile, als Ganzes jedoch völlig sinnlos. Bildquelle: Wikimedia, leicht bearbeitet.

 

Gründe für diese unerfreuliche Situation:

    • Politiker denken in Arbeitsplätzen. Gesellschaftlich effektive Prozesse benötigen jedoch weniger Arbeit bei gleichzeitig mehr Nutzen. Statt die Arbeitszeit zu kürzen, versucht man die ineffektiven Prozesse am Leben zu halten oder zusätzliche Bedürfnisse zu schaffen. Bezahlte Arbeit erscheint deshalb so wichtig, weil sie als Schlüssel zur Verteilung der erzeugten Güter als unentbehrlich gesehen wird. Dabei ist eine verlässliche Grundversorgung unser wichtigstes Bedürfnis und nicht der Arbeitsplatz.
    • Investoren, und da gehören wir mit unseren Pensionskassenguthaben alle dazu, sind an der Ineffektivität interessiert. Denn an jedem Prozess kann man Geld verdienen, egal ob dieser Prozess nützlich, effektiv oder unnötig ist. Also will der Investor möglichst viele Prozesse. Man könnte sagen, je ineffizienter umso besser für den Investor. Im Ergebnis: Je schneller wir die Umwelt zerstören, umso besser für den chrematischen Kapitalismus.
    • Effektivität kostet Bruttoinlandsprodukt (BIP). Unsere Wirtschaftsführer haben schlicht keine Idee, wie eine Wirtschaft mit einem schrumpfenden BIP funktionieren soll. Sie haben also auch keine Idee, wie wir unsere Wirtschaft effektiver betreiben könnten.

Aus diesen und weiteren Gründen führt die freie Marktwirtschaft mit Hang zum Chrematismus also keinesfalls automatisch zu effektiven Prozessen, wie es im Interesse der Gesellschaft wäre und zur Bewältigung der Klimakrise unabdingbar ist.

Lösungsansätze:

    • Zunächst ist zu definieren, was überhaupt das Ziel sein soll: Ein gutes Leben, mit möglichst wenig Verbrauch an Umwelt und möglichst wenig mühseliger Arbeit? Doch wie messen wir das gute Leben? Bestimmt nicht mit dem BIP. Die komplette Antwort wäre an dieser Stelle anmassend, aber es wäre höchste Zeit, dass die Gesellschaft mal bewusst darüber nachdenkt.
    • Für die Herstellung von Gütern wird Natur verbraucht (Umwelt, Ressourcen). Dafür müsste es endlich einen hohen Preis geben. Nur dies verschafft effektiveren Prozessen einen Vorteil, so dass diese sich auch durchsetzen können.
    • Die bezahlte Arbeit darf nicht mehr der alleinige Schlüssel sein, um die erzeugten Güter gerecht zu verteilen.
    • siehe auch: Bedarfs-, Last- und Verteilschlüssel.

 

 

Chrematistik

Chrematistik ist die Kunst, Reichtum zu erlangen.

Gemäss Wikipedia ist Chrematistik die Kunst, Reichtum zu erlangen. Und sonst? Nichts!

Obwohl der Begriff kaum bekannt, ist Chrematistik doch genau das, was jeden Tag passiert. Es gibt nur wenige Firmen, denen Wirtschaften im Sinne einer genügenden Versorgung der Gesellschaft mit Güter und Dienstleistungen ein echtes Anliegen ist. Wirtschaften ist meist nur ein Mittel zum Zweck, reicher und mächtiger zu werden.

Nun kann man das den Firmen nicht unbedingt zum Vorwurf machen, denn wenn sie Chrematistik nicht mindestens so erfolgreich betreiben wie ihre Konkurrenz, sind sie über kurz oder lange nicht mehr da.

Dieser Konkurrenzdruck führt zu Wachstum und Wohlstand, jedoch auch zu Wachstum weit über unseren Bedarf hinaus, zum Überfluss und zur Verschwendung. Aber auch zu Stress, Krankheit und letztlich zur Ausbeutung unserer Lebensgrundlagen. 

Dabei ist gerade die Ausbeutung der Natur ein probates Mittel, um noch reicher zu werden. Ebenso ist es mit ineffizienten Prozessen auf gesellschaftlicher Ebene. Beispielsweise wenn wir Erdöl aufwendig in der Tiefsee oder durch Fracking gewinnen, es in Raffinerien aufarbeiten, um die halbe Welt schippern, nur um es dann höchst ineffizient in komplizierten Fahrzeugen zu verbrennen, gibt es unterwegs eine lange Kette von Profiteuren, die absolut kein Interesse daran haben, Politiker, die um Arbeitsplätze fürchten eingeschlossen, Mobilität viel einfacher zu betreiben, nämlich mit Energie vom eigenen Hausdach. Das schliesst nicht aus, dass jeder Akteur in dieser ineffizienten Kette seinen eigenen Prozess so effizient wie möglich gestaltet. Er will ja seinen Profit an der gesellschaftlichen Ineffizienz so gross wie möglich machen.

Bildquelle: chappatte.com

Der “Motor” der Chrematistik hat uns den Wohlstand beschert, aber auch die Schwächeren ausgenutzt und an den Rand gedrängt. Einige Gesellschaften haben längst ein Niveau erreicht, bei dem das “besser zu sein wie die anderen” nicht mehr viel Sinn ergibt, sondern es lässt lediglich das Hamsterrad immer noch schneller drehen.

Wie paradox ist das denn? Wir hätten Wohlstand, müssen uns aber gerade deshalb immer mehr abhetzen? Nicht nur haben wir kaum Zeit, den Wohlstand zu geniessen, sondern wir ruinieren dabei auch noch den Planeten!

Wie können wir dieses Paradox auflösen?

Ein wesentlicher Schlüssel dazu ist, dass wir Ökonomie nicht mehr vom Arbeitsplatz her denken, sondern von den Bedürfnissen. Was wir brauchen sind nicht Arbeitsplätze und Mindestlöhne, sondern eine garantierte Grundversorgung.

Die Politik will möglichst viele Arbeitsplätze. Dies ist aber ein eklatanter Widerspruch zu einer möglichst effizienten Gesellschaft, nämlich mit möglichst wenig Ressourcen die Versorgung sicherzustellen.

Als Ergebnis müssen wir auch die Arbeitszeiten massiv reduzieren. Mit 50% der heutigen Arbeitszeit könnte man die Bevölkerung leicht auf hohem Niveau versorgen.

 

Quellen:

 

 

Drei Schlüssel

Bezahlte Arbeit ist nicht mehr der zeitgemässe Schlüssel, um Güter gerecht zu verteilen.

Im klassischen Wirtschaftsdenken und als Folge auch in unserem aktuellen Wirtschaftssystem kommt zuerst der bezahlte Arbeitsplatz. Erst dieser ermöglicht uns, an Geld zu kommen, mit dem wir schliesslich unsere Bedürfnisse befriedigen können. Mit dieser Logik erzählt man uns, der Arbeitsplatz sei unser Bedürfnis. Dabei kommt die Bedürfnisbefriedigung erst am Ende dieser Logik:

Erwerbsarbeit   ->  Lohn/Geld   ->   Bedürfnisse

Dies führt dazu, dass wir sehr leicht erpresst werden können, unsere Arbeitskraft sehr billig anzubieten, zumindest in den Sektoren, wo es einen Überschuss an Arbeitskräften gibt. Siehe auch: Der betrogene Arbeiter.

Um dieser Logik zu entrinnen, müssen wir Wirtschaft moderner denken. Ein Ansatz sind die drei Schlüssel. Losgelöst vom aktuellen Wirtschaftssystem beginnen wir direkt mit den eigentlichen Bedürfnissen.

Die drei Schlüssel

      1. Bedarfs-Schlüssel (was benötigen wir, was wollen wir, was wollen wir nicht?)
      2. Last-Schlüssel (wer hat die Aufgabe, den Bedarf zu decken? Wer übernimmt diese “Last”?)
      3. Verteil-Schlüssel (wer soll das Erzeugte erhalten und wie steuert man dies effizient und gerecht?)

Bedarfs-Schlüssel

Die Bedarfsfrage gehört an den Anfang. Was brauchen wir zum Überleben und was wünschen wir zusätzlich, um es bequem zu haben? Wie viel Luxus ist wirklich nötig und wünschenswert? Diese Fragen müssen wir uns als Gesellschaft stellen und demokratisch entscheiden. Die Wünsche zu erfüllen ist im Übrigen nicht eine Frage der Finanzierbarkeit, sondern von der Frage, wie viel Ressourcen und Arbeitszeit wir als Gesellschaft investieren wollen.

Wir können drei Kategorien feststellen:

Grundbedürfnisse: Essen, Wohnen, Kleidung gehören wohl dazu. Je nach Klimaregion gibt es Unterschiede. Beispielsweise muss ein Haus im Norden besser gebaut sein und eine Heizung haben. In den Tropen ist eher ein gutes Dach und Schutz vor Überschwemmung wichtiger. Eine Grundausbildung ist ebenfalls ein Grundbedürfnis.

Komfortausstattung: Dazu gehören zum Beispiel einige Haushaltsgeräte, allen voran die Waschmaschine, aber auch Zugang zu Mobilität. Ebenso wichtig ist die Gesundheits- und Altersvorsorge, Kultur, Bildung, Forschung. Doch wie weit wollen wir damit gehen?

Luxus, Überfluss und Verschwendung: Dazu gehört nicht nur der Privatjet oder die Luxusjacht, was sich sowieso nur sehr wenige leisten können, sondern auch das eigentlich viel zu grosse Auto, die zu vielen Geräte im Haus, die nur selten benutzt werden oder die jährlichen Flugreisen, bis hin zum ständig neuesten Smartphone oder der grossen Wohnung, obwohl man wenig zu Hause ist.

Neben industriellen Produkten, Dienstleistungen und Infrastruktur dürfen wir nicht vergessen, dass wir auch einen Bedarf an Gesundheit, Betreuung, Erziehung, Familie, Kultur und viele weiteren Dingen haben, die ein gutes Leben ausmachen. Auch diese kann man in die oben genannten Klassen einteilen. So ist eine Fussballmeisterschaft wohl eher dem Luxus zuzurechnen, während eine gute Kindererziehung in jeder Gesellschaft zur Grundversorgung zählen sollte.

Der globale Lockdown während der Corona-Krise im Jahr 2020 hat wunderbar gezeigt, dass sehr viele Dinge nicht zwingend notwendig sind, also sicher nicht zu den Grundbedürfnissen gehören. Andere Dinge waren auch nicht lebensnotwendig, aber unangenehm, wenn man beispielsweise unterwegs nicht in ein Restaurant einkehren kann (Komfort). Auf die Fernreise ließ sich verhältnismäßig leicht verzichten (Luxus).

Der Bedarfsschlüssel ist kein beliebig grosser Wunschzettel, denn wir müssen uns bewusst sein, dass jeder zusätzliche “Wunsch” mehr Arbeitszeit, aber vor allem mehr Verbrauch an Ressourcen bedeutet. (Davon mehr in einem späteren Artikel.)


Der Last-Schlüssel

Wer stellt nun all diese Produkte, Dienstleistungen und die Infrastruktur her? Das beantwortet der Lastschlüssel.

Im ersten Moment denken wir, ja wohl der Arbeiter. Das stimmt aber nicht, wie das Beispiel Landwirtschaft zeigt. In der modernen Landwirtschaft reichen zwei Prozent der Arbeitenden, um 100% der Bevölkerung zu ernähren.

Selbst die genialsten modernen Erfindungen wären nicht möglich, ohne Generationen von Vorarbeiten unser Vorfahren. Die Errungenschaften, Forschungen und Entdeckungen unserer Vorgenerationen sind eine wesentliche Voraussetzung für den erreichten Wohlstand.

Jeder kann unbeschränkt auf Gemeingüter zugreifen. Seien das gebührenfreie Strassen, den Spaziergang durch Wald, Wiesen und Berge, die freie Benutzung von Wikipedia und der Zugang zum Wissen unserer Vorgenerationen in Bibliotheken. Auch saubere Luft und Ruhe ist ein Gemeingut.

Etwa 50% der Arbeitszeit macht die unbezahlte Arbeit aus, wir können diese auch Gemeinwohlarbeit nennen. Allen voran die Care-Arbeit, wozu Kindererziehung, Hausarbeit, Verwandtenpflege bis hin zur Vereinsarbeit zählt. Jedoch auch viel Kunst und Kultur funktioniert nur wegen viel Fronarbeit von Freiwilligen; weil es ihnen einfach wichtig ist.

Der wesentlichste Faktor sind jedoch die Ressourcen. Ohne Energie und Rohstoffe geht heute gar nichts mehr. Ohne externe Energie könnten wir nicht einen Lastwagen mit einer einfachen Fussbewegung am Gaspedal in Bewegung setzen und die meisten Fabriken würden sofort stillstehen. Ja selbst unsere Mobilität wäre maximal mit dem Fahrrad möglich.

Ach ja, und fast geht es unter, natürlich benötigt es auch die Lohnarbeit, die bezahlte Arbeit. Diese besteht aber mehr und mehr darin, die oben genannten Dinge zu organisieren und zu steuern. Die Fleißarbeit und Schwerarbeit übernehmen die Maschinen. Und darin werden wir immer besser. Mit immer weniger Arbeit steuern wir mehr Energie, um Ressourcen in Produkte umzuwandeln.


Der Verteil-Schlüssel

Der Verteil- oder Teilhabeschlüssel definiert, wer nun all diese erzeugten Güter und Dienstleistungen bekommen soll bzw. benutzen darf.

Wenn wir den Lastschlüssel genauer betrachten, wird schnell klar, dass eine Verteilung auf Grund des Erwerbslohnes nicht mehr zeitgemäß ist, weil die Menge der Güter hauptsächlich durch Energie und Maschinen bestimmt wird und nicht durch Lohnarbeit. Und zu einem guten Teil basiert es auf vielem, was eigentlich allen Menschen gehört oder von ihnen kostenlos geleistet wurde.

So gehören Ressourcen aller Art doch allen Menschen. Selbst wenn man der Auffassung ist, das Eröl gehöre dem, in dessen Boden es zu finden ist, ist spätestens das Verbrennen des Erdöles ein Thema, dass über CO2 und Klimaerwärmung uns alle etwas angeht. Dafür wird allerdings bis heute (fast) nichts bezahlt. Die Kosten von Ressourcen bestehen im Wesentlichen nur aus dem Aufwand, diese aus der Erde zu holen plus den Profiten der entsprechenden Konzerne.

Daher wäre es sinnvoller, statt die Lohnarbeit zu besteuern und dadurch teurer und unattraktiver zu machen, wenn die Haupt-Faktoren zur Herstellung von Gütern besteuert werden. Wer also die Luft mit CO2 anreichern will, soll dafür bezahlen müssen, wer nichterneuerbare Rohstoffe verwendet, die zukünftigen Generationen fehlen, soll dafür bezahlen müssen.
Hier sei noch auf einen wesentlichen Unterschied zur CO2-Besteuerung hingewiesen: Wir plädieren für die Besteuerung an der Quelle, also zum Beispiel bei dem, der Eröl fördert und den Verbrauch erst ermöglicht und nicht beim Endverbraucher. Ersteres sind nur 300 Institutionen, im zweiten Fall sind es Milliarden von Verbrauchern. Siehe auch GCC – Global Climate Compensation.

Verteilt wird das so eingenommene Geld gleichmäßig an alle Bürger, so dass sich diese  die Grundversorgung und einen Teil des Komforts leisten können – bedingungslos. Wir unterstellen, dass jeder Bürger einen sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft leistet. Als Gegenleistung erhält er ein bedingungsloses Grundeinkommen, finanziert durch Abgaben auf Basis des Lastschlüssels.

Es ist jedoch jedem freigestellt, zusätzlich einem bezahlten Job nachzugehen, damit er sich mehr Komfort oder sogar etwas Luxus leisten kann. Da gerade im Überflussbereich viel Ressourcen verbraucht werden, wird er jedoch indirekt überproportional viele Abgaben zahlen müssen. Eine Einkommenssteuer kann entfallen, wenn man die Ressourcensteuern hoch genug ansetzt.

Die Grundversorgung, insbesondere Güter des täglichen Bedarfs, werden mit einem sehr hohen Anteil an Maschinen und verhältnismäßig wenig Arbeitskräften erzeugt (2% arbeiten in der Landwirtschaft). Es ist daher sinnvoll und gerecht, diese Güter bedingungslos gleichmäßig an die Menschen zu verteilen. 

Der betrogene Arbeiter

Es gab mal eine Zeit, da war der Wintervorrat an Nahrungsmitteln etwa proportional mit dem Arbeitseinsatz auf dem Feld. Mehr Arbeiter war gleichgesetzt mit mehr Kartoffeln im Keller für den Winter.

Ackern im Mittelalter

Dieser einfachen Denkweise folgt die Politik bis heute. Besonders in Krisenzeiten wird als erstes der Verlust von Arbeitsplätzen beklagt.

Ist es denn aber wirklich so, dass wir in erster Linie einen Arbeitsplatz benötigen, um überleben zu können?

Ja, im heutigen Wirtschaftssystem ist das so. Keine Arbeit, kein Lohn, kein Essen. 

Der Wurm liegt jedoch in dieser Argumentationskette. Es wird stillschweigend vorausgesetzt, dass es ohne Arbeit zuwenig Kartoffeln im Keller gibt.

Das ist jedoch ein Betrug. Jede Firma versucht mehr Kartoffeln mit weniger Arbeiter herzustellen. Es werden also immer mehr Waren produziert, mit immer weniger Arbeitern. Die Menge der Waren hängt also nicht an der Menge der Arbeiter.

Den Arbeiter zwingt man aber trotzdem so zu tun, als gäbe es zuwenig Kartoffeln, wenn er nicht arbeitet. Daher gibt man ihm ohne Arbeit keine Kartoffeln, denn wenn nicht der Hunger droht, geht er ja angeblich nicht arbeiten.

Weil jedoch der Unternehmer lieber ein paar Maschinen anschafft statt teure Arbeiter zu beschäftigen, sind die Arbeitsplätze für Kartoffelarbeiter knapp . Der Kartoffelarbeiter muss seine Arbeit daher sehr billig anbieten, damit er überhaupt eine Chance für den Job hat. Die meisten Arbeitssuchenden gehen trotzdem leer aus. Nur noch 2% der Arbeiter arbeiten hierzulande in der Landwirtschaft.

Für Routinearbeit gibt es Maschinen, Roboter und künstliche Intelligenz

Nun wird dem Arbeiter aber noch eingeredet, er müsse den Lohn nun auch ausgeben, sonst würden Arbeitsplätze verloren gehen. Das stimmt sogar, doch wieso brauchen wir denn so viele Arbeitsplätze, wenn doch genug für alle da ist?

Die Erpressung zur Arbeit, ohne dass eine Versorgungslücke besteht, führt letztlich zur Wachstumsspirale, die in letzter Konsequenz unseren Planeten ruiniert.


Wir müssen die Logik drehen: Die sinnvollere Reihenfolge der Fragen lautet:

  •  
    1. Bedarfsschlüssel (was benötigen wir für ein gutes Leben, was wollen wir, was wollen wir nicht?)
    2. Lastschlüssel (Wer erzeugt die dazu nötigen Güter und Dienstleistungen?)
    3. Verteilschlüssel (Wie verteilen wir diese nun vorhanden Güter gerecht?Wer soll sie erhalten und wie steuert man dies effizient?)

Lesen Sie weiter -> drei Schlüssel.

 

“Der kontrollierte Bankrott” – wirklich?

Der Autor des verlinkten Artikels meint:

Unser Wirtschaftssystem floriert auf der Basis des Ruins. Die aufgeschobene Insolvenz ist seine Geschäftsgrundlage. Schulden werden nicht mehr getilgt, sondern mit neuen Schulden ins Unendliche verlängert.

Zu diesem Schluss kann man kommen, wenn man im klassischen BWL-Denken die Lage analysiert.

Wenn man jedoch den Wirtschaftskreislauf vom Warenfluss und den Investitionen her betrachtet, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Wenn wir Wohlstand mal auf Warenfluss und funktionierende Infrastruktur vereinfacht denken, so kann es doch im ersten Moment egal sein, was mit dem Geldfluss passiert, solange die Waren “fließen”. Offenkundig ist es auch wichtiger, dass die Infrastruktur funktioniert, z.B. Strassen, als wie viel Schulden der Staat gerade hat. Ohne funktionierende Strassen wird er die Schulden sowieso nicht mehr los.

Fazit: Die Wirtschaft von der Seite des Warenflusses, Dienstleistungen und Infrastruktur her bewerten und nicht von der Seite des Geldes und den Schulden. Bestimmt kommt man dann auch zu anderen Schlüssen, wie mit Geld, Vermögen und Steuern anders umgegangen werden muss.

Quelle: Der kontrollierte Bankrott

Die Welt neu denken

Buchneuerscheinungen – derStandard.at › Kultur

Maja Göpel vom Wissenschaftsbeirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) berät die deutsche Bundesregierung und bereitet komplexe Zusammenhänge verständlich auf.

REZENSION von Christian Felber 19. April 2020

Der rote Faden durch das Buch sind die Dogmen der Wirtschaftswissenschaft, welche die Politökonomin systematisch dekonstruiert. “Wenn wir die Welt neu denken wollen, müssen wir bis zu den gedanklichen Fundamenten zurückgehen, auf denen die uns heute geläufige Welt aufgebaut ist.”

Quelle: Die Welt neu denken – Buchneuerscheinungen – derStandard.at › Kultur

 

 

Globalisierung:

Unser schicker Kapitalismus mit tödlichem Antlitz | ZEIT ONLINE

Der unten verlinkte Artikel ist zwar etwas oberflächlich und wie so oft kommt nach dem Anprangern wenig in Richtung Lösungsansatz.

Ein Punkt ist jedoch bemerkenswert: Der (sinnlose) Wachstumszwang ist “nicht die menschliche Gier, sondern ein strukturelles Verhängnis, das dem Kapitalismus gewissermaßen eingenäht ist. Er ist dazu verdammt ist, Wachstum zu generieren, wenn er nicht in den Krisenmodus verfallen will.”

Und genau hier krankt der Artikel, denn wir müssen dringend dieses strukturelle Verhängnis erkennen, benennen und auflösen.

Quelle: Globalisierung: Unser schicker Kapitalismus mit tödlichem Antlitz | ZEIT ONLINE